Neue Fachartikel sind schnell geplant. Schwieriger ist die Frage, was mit den Inhalten geschieht, die bereits seit Jahren auf Ihrer Website stehen. Veraltete Leistungsbeschreibungen, ähnliche Ratgeber und unklare Zuständigkeiten können die Orientierung erschweren und unnötigen Pflegeaufwand verursachen.
Weil generative KI die Erstellung zusätzlicher Texte erleichtert, wird diese Bestandsfrage wichtiger: Brauchen Sie tatsächlich mehr Inhalte oder zunächst bessere bestehende Seiten? Ein Content-Audit schafft dafür eine Entscheidungsgrundlage. Sie prüfen systematisch, welche Inhalte Ihrem Geschäft dienen, welche überarbeitet werden müssen und welche keinen eigenständigen Zweck mehr erfüllen.
Definieren Sie zuerst die geschäftliche Aufgabe
Ein Content-Audit ist mehr als eine Liste von Seitenaufrufen. Bevor Sie Daten exportieren, legen Sie fest, welche geschäftliche Frage Sie beantworten möchten. Wollen Sie ein neues Leistungsfeld sichtbarer machen, mehr passende Anfragen erhalten oder den Pflegeaufwand Ihres Wissensbereichs reduzieren?
Wählen Sie für den ersten Durchlauf einen klar abgegrenzten Bereich. Das können beispielsweise alle Inhalte zu einer Produktgruppe oder sämtliche Ratgeber für eine bestimmte Branche sein. Ein überschaubarer Umfang erleichtert Entscheidungen und verhindert, dass Sie viel dokumentieren, ohne anschließend etwas umzusetzen.
Halten Sie außerdem fest, welche Zielgruppen und Kaufphasen die Inhalte unterstützen sollen. Eine technische Entscheidungshilfe erfüllt eine andere Aufgabe als eine erste Einführung in ein Problem.
Erfassen Sie Inhalte und Zuständigkeiten gemeinsam
Erstellen Sie eine Tabelle mit allen relevanten URLs. Als Ausgangspunkt eignen sich ein Website-Crawl, ein Export aus Ihrem Content-Management-System und die XML-Sitemap. Gleichen Sie diese Quellen ab, damit wichtige Seiten nicht wegen fehlender interner Verlinkung übersehen werden.
Erfassen Sie je URL mindestens:
- Seitentitel, Inhaltstyp und übergeordnetes Thema
- angesprochene Zielgruppe und konkrete Nutzerfrage
- zugehörige Leistung und gewünschte nächste Handlung
- verantwortliche Person und Datum der letzten fachlichen Prüfung
- organische Sichtbarkeit, Nutzung und verfügbare Conversion-Daten
- vorläufige Entscheidung und geschätzten Bearbeitungsaufwand
Trennen Sie dabei das Veröffentlichungsdatum von der letzten fachlichen Prüfung. Ein technisch aktualisiertes Datum sagt nicht aus, ob Leistungsumfang, Beispiele und Empfehlungen noch stimmen. Ohne eine verantwortliche Person bleibt auch ein sorgfältig erstellter Audit schnell folgenlos.
Bewerten Sie Daten im richtigen Zusammenhang
Nutzen Sie Daten aus der Google Search Console, Ihrem Webanalyse-System und, sofern sinnvoll verknüpfbar, Ihrem CRM. Die Search Console zeigt unter anderem, über welche Suchanfragen Seiten eingeblendet und angeklickt werden. Die Webanalyse hilft Ihnen, Nutzung und nächste Schritte auf der Website zu verstehen.
Bewerten Sie diese Signale nicht isoliert. Wenige Zugriffe können bei einem spezialisierten B2B-Thema ausreichen, wenn sie die passende Zielgruppe erreichen. Umgekehrt kann ein häufig besuchter Ratgeber überwiegend Menschen anziehen, die Ihre Leistungen nicht benötigen.
Berücksichtigen Sie zudem saisonale Nachfrage, lange Entscheidungszyklen und Messlücken durch Einwilligungseinstellungen. Vergleichen Sie möglichst ähnliche Zeiträume. Fehlende gemessene Anfragen sind ein Anlass für weitere Prüfung, aber kein automatischer Beleg für einen nutzlosen Inhalt.
Prüfen Sie die fachliche Qualität am konkreten Bedarf
Öffnen Sie jede priorisierte Seite und prüfen Sie, ob sie die zentrale Nutzerfrage tatsächlich beantwortet. Entscheidend ist nicht die Textlänge, sondern der Informationswert. Erkennt eine kaufentscheidende Person, für welchen Anwendungsfall Ihre Lösung geeignet ist und wo ihre Grenzen liegen?
Achten Sie besonders auf veraltete Produktangaben, nicht mehr angebotene Leistungen, unklare Fachbegriffe und unbelegte Behauptungen. Allgemeine Formulierungen lassen sich häufig durch konkrete Auswahlkriterien, Voraussetzungen oder Ablaufbeschreibungen ersetzen.
Beziehen Sie Vertrieb, Produktmanagement oder Service gezielt ein. Fragen Sie nicht nur, ob ein Text „noch passt“. Lassen Sie prüfen, welche Rückfragen in Gesprächen regelmäßig auftreten und welche Aussagen missverständlich sind. So entstehen Verbesserungen, die sowohl der Informationssuche als auch späteren Verkaufsgesprächen helfen.
Erkennen Sie Überschneidungen ohne vorschnelle Löschung
Mehrere Seiten zum gleichen Oberthema sind nicht grundsätzlich problematisch. Ein Grundlagenartikel, eine technische Anleitung und eine Leistungsseite können unterschiedliche Bedürfnisse bedienen. Kritisch wird es, wenn mehrere URLs dieselbe Frage mit weitgehend gleichem Inhalt beantworten.
Prüfen Sie deshalb Suchanfragen, Seitenzweck und interne Verlinkung gemeinsam. Wenn ähnliche Seiten in der Suche wechselnd erscheinen, kann das auf eine unklare Zuordnung hindeuten. Es beweist jedoch nicht allein, dass sich die Seiten gegenseitig schaden.
Entscheiden Sie anschließend, ob Sie die Inhalte deutlicher voneinander abgrenzen oder zusammenführen. Beim Zusammenführen sollte die Zielseite alle weiterhin relevanten Informationen aufnehmen. Prüfen Sie außerdem eingehende Links und interne Verweise, bevor Sie eine URL aufgeben.
Ordnen Sie jeder Seite eine konkrete Maßnahme zu
Vermeiden Sie unklare Bewertungen wie „SEO verbessern“. Ein Audit wird erst handlungsfähig, wenn daraus eindeutige Aufgaben entstehen. Ordnen Sie jeder geprüften Seite eine Hauptmaßnahme zu:
- Beibehalten: Der Inhalt ist fachlich aktuell und erfüllt einen klaren Zweck.
- Aktualisieren: Wesentliche Informationen, Beispiele oder Handlungsempfehlungen fehlen oder sind veraltet.
- Neu ausrichten: Thema und Zielgruppe passen, aber Suchintention oder Seitenaufbau werden verfehlt.
- Zusammenführen: Mehrere Seiten erfüllen denselben Zweck ohne ausreichenden eigenständigen Nutzen.
- Entfernen: Der Inhalt ist dauerhaft überholt und hat keinen sinnvollen weiteren Einsatz.
Eine entfernte Seite benötigt nicht automatisch eine Weiterleitung. Eine dauerhafte Weiterleitung ist sinnvoll, wenn ein inhaltlich passendes Nachfolgeziel existiert. Leiten Sie aufgegebene Inhalte nicht pauschal auf die Startseite um. Ohne geeigneten Ersatz kann ein Statuscode 404 oder 410 angemessen sein.
Priorisieren Sie Nutzen, Risiko und Aufwand
Beginnen Sie mit Seiten, die geschäftlich wichtig sind und erkennbare Schwächen aufweisen. Eine veraltete Leistungsseite kann dringender sein als ein wenig gelesener Grundlagenartikel. Falsche Angaben zu Verfügbarkeit, Kompatibilität oder Leistungsumfang verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Bewerten Sie jede Maßnahme nach geschäftlicher Relevanz, erwartetem Nutzen, Fehlerrisiko und Aufwand. Eine einfache Einteilung in hoch, mittel und niedrig genügt häufig. Vermeiden Sie Punktesysteme, die objektive Genauigkeit vortäuschen, obwohl wichtige Informationen fehlen.
Formulieren Sie für jede priorisierte Seite ein kurzes Briefing: Was wird geändert, warum, durch wen und bis wann? Ergänzen Sie, welche Angaben fachlich freigegeben werden müssen und welche Kennzahlen anschließend zur Bewertung dienen.
Verankern Sie die Pflege im Arbeitsablauf
Dokumentieren Sie bei der Umsetzung das Änderungsdatum und die wesentlichen Eingriffe. Prüfen Sie danach Weiterleitungen, interne Links, Indexierbarkeit und die vorgesehenen Kontaktwege. Bei zusammengeführten Seiten kontrollieren Sie zusätzlich, ob wichtige Inhalte tatsächlich übernommen wurden.
Beurteilen Sie die Wirkung nicht nach wenigen Tagen. Legen Sie abhängig von Suchnachfrage und Datenmenge einen geeigneten Beobachtungszeitraum fest. Vergleichen Sie Sichtbarkeit, passende Suchanfragen und geschäftlich relevante Handlungen, statt nur auf zusätzliche Besuche zu schauen.
Geben Sie anschließend jeder wichtigen Seite einen nächsten Prüftermin. Inhalte mit häufig wechselnden Produktdetails benötigen engere Intervalle als stabile Grundlagenartikel. So wird aus einer einmaligen Bestandsaufnahme ein verbindlicher Pflegeprozess mit klaren Verantwortlichkeiten.
